Studie zu Fahrsimulatoren

FahrsimulatorEine von MOVING in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) zum Einsatz von Fahrsimulatoren in Fahrschulen für die Fahrerlaubnisklasse B (Pkw) kommt zu dem Ergebnis, dass die Nutzung eines Fahrsimulators in der Fahrschülerausbildung eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts sein kann.

 

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Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

 

Aktuell sieht sich die Fahrschulbranche einer rückläufigen Anzahl an Fahr­schülern und tiefgreifenden strukturellen Problemen ausgesetzt. Die sinkende Anzahl von Fahrschulen in Deutschland ist als Beleg einer Verschärfung des Wettbewerbs aufzufassen. Gleichzeitig wird die praktische Fahrausbildung, die seit Jahrzehnten nahezu unverändert strukturiert ist, in vielerlei Hinsicht kritisch hinterfragt. Vor diesem Hintergrund zeigt die vorliegende Studie Analysen und Lösungsansätze auf Basis des Einsatzes von Simulatoren in Fahrschulen auf. Zusammenfassend lassen sich an dieser Stelle die zentralen Forschungsergebnisse der Untersuchung wie folgt darstellen:

  • Leistungsfähigkeit von Simulatoren in der Fahrausbildung

Der Markt für Fahrsimulatoren ist mit einem umfangreichen Produktspektrum breit aufgestellt. Dabei variieren die einzelnen Simulatoren in ihrer Ausbaustufe und dem vorausgesetzten Einsatzzweck erheblich. Es ist zu konstatieren, dass einige der angebotenen Produkte wohl nicht dem Niveau im Hinblick auf einen professionellen Einsatz in Fahrschulen liegen und sich eher als Computerspiele eignen. Trotzdem ist das Angebot an hochwertigen Produkten mit dem Potential, die praktische Fahr­aus­bildung sinnvoll zu ergänzen, vorhanden. Die darauf gerichteten Analyse­ergebnisse kommen zu dem Ergebnis, dass seriöse Angebote existieren, die eine professionelle und qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleisten.

  • Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Fahrsimulatoren in der Fahrausbildung

Die Sinnhaftigkeit des Fahrsimulator-Einsatzes in Fahrschulen ist in hohem Maße vom Einsatzumfang abhängig. High-Tech-Simulatoren kann ein hohes pädagogisches Potential attestiert werden, wenngleich sie nicht in der Lage sind, Fahrlehrer – insbesondere hinsichtlich empathischer Aspekte und notwendiger sozialer Kontakte während der Ausbildung – zu ersetzen. Fahrsimulatoren können aber „stressfrei“ dazu beitragen, Ängste vor dem realen Verkehr abzubauen. Fahrsimulatoren schaffen ein Grundverständnis für den Verkehr sowie hinsichtlich der Routinen im Umgang mit dem Fahrzeug. Wird der Simulator in diesem Rahmen vor den ersten realen Fahrstunden und anschließend praxisbegleitend genutzt, ist der Einsatz als sinnvoll zu bewerten. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass Fahrsimulatoren die Ausbildung in einem realen Fahrzeug nicht vollumfänglich substituieren können – und sollen.

  • Nachfrage- und Angebotsseitige Marktpotenziale für den Einsatz von Fahr­simu­la­toren in Fahrschulen

Im Rahmen der Erhebungen zur Studie haben 72 Prozent der befragten Fahrschülerinnen und Fahrschüler die Bereitschaft geäußert, grundsätzlich Übungs­stun­den im realen Fahrzeug durch Fahrsimulator-Stunden zu ersetzen. Rund 70 Prozent der Fahrschul-Verantwortlichen geben an, sich bereits intensiv mit der Thematik ausein­andergesetzt zu haben, und 49 Prozent überlegen derzeit, in einen Fahrsimulator zu investieren. In Anbetracht dieser Daten kann auf beiden Seiten von einem rele­van­ten Markt gesprochen werden.

  • Meinungsbild der Fahrschulinhaber und Fahrschüler zum Einsatz von Fahrsimu­la­toren in der Fahrausbildung

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gestaltet sich aufgrund der Vielschichtigkeit von Fragestellungen und Antworten als schwierig. Bei einer gesamthaften Betrachtung der Erhebungsergebnisse überwiegt allerdings bei Fahrschulen wie auch bei Fahrschülern eine positive Gesamteinstellung zum Fahrsimulator.

  • Kosten-Nutzen-Relation aus Kundenperspektive

Der monetäre Effekt hinsichtlich eines kleineren Budgets für die Erlangung des Führerscheins ist zwar nachweisbar, fällt aber gering aus. Die Untersuchungs­ergebnisse belegen, dass bis etwa zwei Prozent der üblicherweise nötigen Ausgaben einsparbar sind. Für Fahrschüler ergeben sich zudem eine verkürzte Ausbildungsdauer – im Durchschnitt 21 Tage – sowie eine geringere Anzahl an „realen Fahrstunden“ – rund vier Fahrstunden (á 45 min.).

  • Sozioökonomische Effekte aus Kundenperspektive

Von Bedeutung sind vor allem die nachweisbar niedrigeren „Wiederholraten“ bei den praktischen und theoretischen Prüfungen. Um bis zu sieben Prozentpunkte liegt die Erfolgsquote der „Pilot-Fahrsimulator-Fahrschulen“ beim ersten Prüfungsanlauf höher als bei vergleichbaren Fahrschulen. Darüber hinaus ist auf die zusätzliche Qualität hinsichtlich der Vielzahl an abbildbaren Fahrsituationen mittels Simulator sowie die „zeitliche Dichte“ an relevanten Übungen, die sich im realen Verkehr häufig nicht darstellen lässt, hinzuweisen. Ebenfalls ist der „Umwelteffekt“ – also weniger Energieverbrauch und Emissionen sowie weniger Verschleiß an Fahrzeugen durch eine geringere Anzahl an „realen Fahrstunden“ je Fahrschüler – als Vorteilsargument anzuführen.

  • Betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit des Einsatzes von Fahrsimulatoren

Die Berechnungen zeigen, dass der Fahrsimulator zur „Rationalisierung“ des einzel­nen Fahrschulbetriebs maßgeblich beitragen kann. Es besteht die Chance, über frei­werdende zeitliche Kapazitäten zusätzliche Fahrschüler zu betreuen, die Umsatz- und Ertragsgrößen deutlich positiv beeinflussen. Außerdem liegen die Deckungsbeiträge der Fahrsimulator-Stunden auf hohem Niveau. Die Berechnungen zu unterschiedlichen Betriebsgrößen belegen, dass Simulator-Angebote zu zusätz­lichen Deckungsbeiträgen führen: Im kleinsten Betriebsszenario erhöhen sich die Gewinnbeiträge um knapp 29 €, beim größten in die Analysen einbezogenen Fahrschulbetrieb um rund 80 € je Kunde. Eine weitere, deutliche Optimierung des Betriebsergebnisses ist über die Gewinnung zusätzlicher Kunden – bei gleich­blei­bender Personal- und Sachausstattung – erreichbar. Außerdem zeigen die Berechnungen, dass die Preisstellung für die einzelne Simulator-Stunde einen wesentlichen Hebel zur Steigerung der Profitabilität von Fahrschulbetrieben darstellt. Bei der Preispositionierung sind die Wettbewerbssituation, aber auch die Marktakzeptanz zu berücksichtigen.

  • Erfolgsfaktoren hinsichtlich des Fahrsimulator-Einsatzes

Der Erfolg des Fahrsimulator-Einsatzes wird im Wesentlichen an zwei Komponenten gemessen, nämlich an der Anzahl der Simulator-Stunden und der Zufriedenheit von Fahrschülern. Die Basis für eine erfolgreiche Nutzung bildet hierbei eine detaillierte und konsequente, interne Vorbereitung hinsichtlich infrastruktureller, personeller und konzeptioneller Aspekte. Dabei kommt der vollständigen und systematischen Integration des Fahrsimulators in das Ausbildungskonzept eine herausragende Rolle zu. Den wesentlichen Schlüsselfaktor für die Fahrsimulator-Integration stellen jedoch die Fahrschul-Mitarbeiter dar. Ohne deren Einsatz und Commitment wird es nicht gelingen, die betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit sowie die Zufriedenheit der Fahrschülerinnen und Fahrschüler gleichermaßen sicherzustellen. Einen wesentlichen „Hebel“ zur Optimierung des Betriebsergebnisses bildet zudem die Ausnut­zung der vorhandenen Kapazitäten. Eine nachhaltige Steigerung der betriebswirtschaftlichen Performance von Fahrschulbetrieben ist nur dann erzielbar, wenn der Simulator konsequent eingesetzt wird und parallel dazu zusätzliche Fahrschüler für die Auslastung vorhandener Kapazitäten gewonnen werden.

 

Pressemitteilung vom 15. April 2016